Es geht los: Golf I, Baujahr 1983, Gambiarot

Der Winter ging, die Sonne stieg, und zu meinem eigenen Erstaunen ließ sich mein Vater im Frühjahr 1987 dazu überreden, mich zum örtlichen VW-Vertragshändler zu begleiten. Dort auf dem Gebrauchtwagen-Schotterplatz stand eben dieser dunkelrote Golf I, ein 1,1 Liter-Benziner mit 50PS, 44.500km gelaufen, aus erster Hand, mit Cassettenradio und 175er Schlappen auf Golf II-Felgen!

Man kannte sich natürlich (Kleinstädte haben auch ihre Vorteile), und so wurde nach nur kurzem Palaver per Handschlag der Kauf für doch immerhin 8000,-DM besiegelt. Was eine Freude, was ein Stolz! Und was durfte ich mit DT-DR 229 nicht alles erleben...

Ich habe dem Wagen keine provinzüblichen Tuningmaßnahmen angedeihen lassen, sondern beließ es bei einem Satz schwarzer Kunststoffblenden an den A-Säulen die es bei VW als Teil des optionalen Schlechtwetterpaktes zu bestellen gab. Diese Blenden und die "breiten" Reifen (ab Werk sind es nur 155er!) ergaben einen für meinen Geschmack ausreichend stämmigeren, optischen Gesamteindruck. Dass mit der absoluten Basisausstattung "C" auch der Wegfall jeglichen Chromzierrats einherging, hat mich gar nicht gestört denn irgendwie hatte das Ganze dann eher etwas Sportives (wie "Shadow-Line" bei BMW, wow!), und der Wagen sah nicht -ganz- so nach spießiger Oma-Kiste aus wie ein CL/GL/GLS o.ä.

 

 

 

 

Hier frisch zugelassen, noch ohne die Blenden an den A-Säulen...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

...und diese Felgen standen ihm wirklich gut!

Ach ja, apropos sportiv: natürlich habe ich sofort auch den originalen Hartplastik-Schaltknauf gegen einen unvermeidlichen wie standesgemäßen Gummi-Golfball in Billardkugelgröße aus dem Supermarkt-Autozubehörregal getauscht. Der lag wirklich extrem gut in der Hand, muss ich sagen. Ist ja wichtig...

Natürlich behauptet man immer, dass das eigene Auto nicht schlecht läuft, aber dieser Wagen war tatsächlich gut eingefahren. Auf etlichen Autobahn-Langstrecken konnte ich es immer wieder austesten, buchstäblich bis zum Tachoanschlag "auf 6 Uhr" auf langen Gefällen, herrlich.

Nach vielen eiligen Kilometern (ungefähr 140.000) verkaufte ich den treuen, immer absolut zuverlässigen und immer noch rostfreien Golf im Frühjahr 1990 an einen sehr guten Freund. Sowas soll man ja eigentlich nicht tun. Aber er kannte die Vorgeschichte dieses Wagens ja bestens und wollte ihn (trotzdem) unbedingt haben. Recht hatte er, denn der Golf leistete ihm weitere Jahre über viele Kilometer treue, pannenfreie Dienste. Und selbst als er ihn weiterverkaufte, hörte er nie Klagen vom nächsten Besitzer. Tja. Gut eingefahren halt. Aber was soll an so einem Auto auch kaputt gehen? Ob man das so mit einem Golf der achten Generation auch noch hinbekäme...?