Einmal mit Alles, bitte!      - die Restaurierung -

Hach, wo soll man da anfangen. Wie das immer so ist: man will die Kiste eigentlich nur zurück auf die Straße bringen, und dann peu á peu technisch und optisch optimieren. Die sogenannte rolling restoration also.

Soweit die Theorie.

Die Praxis sieht dann in der Regel aber so aus: je mehr man sich mit dem Wagen nicht nur gedanklich sondern handwerklich beschäftigt, desto mehr auch reift die Erkenntnis, die die Illusion von der rollenden Restauration platzen lässt wie einen alten Reifen. Je mehr man demontiert oder freilegt, desto mehr Schäden offenbaren sich. Immer wieder. Egal, was man anfasst. Jahrelang. Das macht sehr demütig.

Dafür braucht man nicht nur sehr viel mehr Geld als gedacht, nein, das allein ist es nicht. Man braucht (auch) enorme Willenskraft, ja, seelisches Selbstheilungsvermögen. Und man muss sich in den besonders dunklen Stunden gebetsmühlenartig die Bilder des Zieles, also die des fertiggestellten Traumwagens in Erinnerung rufen. Wenn man das nicht schafft, verliert man früher oder später die Motivation. Dann verstaubt das zerlegte Wrack typischerweise einige Jahre in der Scheune, bevor es schließlich "wegen Hobbyaufgabe" oder "aus Zeitmangel" verbimmelt wird.

 

Auch ich hatte einige solcher finsteren Momente in denen ich mich fragte wie diese Herkulesaufgabe zu stemmen sein sollte, finanziell wie fachlich wie zeitlich. Warum nur tue ich mir das an? Warum stehe ich hier samstagabends einsam in der eiskalten Bude, bis in jede Hautfalte hinein mit Öl und Dreck verschmiert und kratze rostschorfige Achsteile sauber?

Doch machte sich nun die ostwestfälische Sturheit, die mir hier und dort nachgesagt oder gar vorgeworfen wird, auch mal positiv bemerkbar. Ich wollte schlicht nicht aufgeben - und damit womöglich den ebenso unvermeidlichen Zweiflern Recht geben. Ich wollte es ihnen zeigen, aber es auch mir selbst beweisen. Es war eine große Herausforderung in vielen Gewerken, schließlich bin ich kein gelernter Automechaniker.

Was mir wirklich immer wieder Motivation gegeben hatte, war die Erinnerung an die 5 Tage Cruisen mit roter Nummer, damals im Sommer '93.

Das Fahrgefühl, der Blick durch die Frontscheibe auf die gewölbten Formen, die Gerüche - und der Sound des Aluminium-Sechszylindermotors!